Das Klassentreffen

Beim Klassentreffen trifft Elisa ihre Jugendliebe Julius wieder. Zwischen vertrauten Blicken und neuen Gesten entsteht eine Nähe, die sich nicht erklären will – nur erleben. Eine Nacht, die zeigt: Manchmal ist es nicht zu spät, sondern genau spät genug.

Das Klassentreffen
Photo by Denise Leisner / Unsplash

Das Wirtshaus roch nach Holz, Bratkartoffeln und einem Bier, das es hier schon vor der Digitalisierung gegeben hatte. Über der Theke hing ein Leuchtschild, das eine Marke anpries, die niemand mehr aussprach, und ein Kuckuck an der Wand tat so, als wäre Zeit eine Frage der Deko. Der Gastraum war niedriger, als Elisa ihn in Erinnerung hatte, und freundlicher. Gesichter, die sie vor Jahren kannte, waren dieselben geblieben, nur ruhiger. Es klirrten Gläser, Stühle scharrten, irgendwo lief im Radio eine Ballade, die sich nicht entscheiden konnte, ob sie sentimental sein wollte oder bloß anständig.
„Elisa!“ rief jemand aus einer Ecke, und sie drehte sich, nickte, ließ eine Umarmung zu, die zu lang war und trotzdem nicht störte. Jemand fragte nach ihrer Arbeit, jemand anderes nach dem Haus ihrer Eltern. Elisa antwortete, ohne auszuweichen, aber auch ohne zu viel Preis zu geben. Sie war heute gekommen, um hinzuschauen, nicht um zu erklären.
Sie trank einen Schluck Wasser und spürte, wie der Ort sie anders atmen ließ. Es war kein Zurückfallen. Eher ein Zurücklehnen, kurz, wie man es tut, wenn ein Stuhl hält.
„Elisa?“ Die Stimme war nicht laut, aber nah. Sie drehte sich und sah Julius.
Er stand einen Schritt neben dem warmen Lichtkegel, als gehöre ihm nicht die Bühne, sondern der Rand. Das Haar kürzer, an den Schläfen grau. Ein Hemd, das nicht protzte. Und dieser Blick, der nicht suchte, sondern traf. Früher hatte er in der letzten Reihe gesessen und hellwach gewirkt; jetzt sah er aus, als wäre Wachheit sein Beruf. Erfolgreich, sagte das Flüstern am Tisch. Nicht angeberisch, sagte die Ruhe in seiner Schulter.
„Julius“, sagte sie. Es klang, als würde der Name das Gesagte für sie abnehmen. Keine Hand, kein Kuss auf die Wange. Sie standen einfach gegenüber, einen Moment zu lang, der gut war.
Er deutete auf den freien Hocker neben ihr, sie nickte. Er setzte sich, legte das Handy so auf den Tisch, dass der Bildschirm nach unten zeigte, als wollte er betonen, dass hier gerade nichts drängte. Die Wirtin brachte ihm ein Bier und ein kleines Wasser, ohne zu fragen. Er bedankte sich mit einem Ton, als sei das ein stilles Ritual zwischen ihnen, das es nie gegeben hatte.
„Lange nicht gesehen“, sagte er, und es war kein Vorwurf.
„Lange her“, antwortete sie.
Sie sprachen zuerst über die Dinge, die sich leicht erzählen lassen: Wer noch hier lebt, wer weg ist, welche Häuser verkauft wurden, welcher Lehrer gestorben und welche Straße umbenannt worden war. Es fühlte sich nicht wie eine Bilanz an, eher wie das vorsichtige Abtasten eines Bodens, den man gleich betreten würde.
Jemand von früher kam an den Tisch, legte Julius die Hand auf die Schulter und sagte, er habe in der Zeitung gelesen, dass Julius’ Firma in der Stadt investiere. Julius lächelte, bestätigte nichts, dementierte nichts. Die Wirtin fragte, ob es noch etwas sein dürfe; er bestellte eine Kleinigkeit, so, als sei Essen ein praktisches, nicht feierliches Thema. Elisa beobachtete, wie er zuhörte. Nicht höflich – aufmerksam. Es war eine Ruhe, die man nicht schnell bekam.
„Du bist geblieben?“, fragte er, als sie wieder zu zweit waren.
„Nicht ganz“, sagte sie. „Ich bin nur oft hier. Man kann an mehreren Orten gleichzeitig wohnen, wenn man die Regeln lockert.“
Er nickte, als verstünde er die Grammatik solcher Sätze. „Ich bin selten hier“, gab er zu. „Aber wenn, dann… ist die Luft anders.“
„Holziger“, half sie.
„Ehrlicher“, ergänzte er, ohne zu lächeln.
Sie sah ihm an, dass er die gleichen Tische sah – jene Nächte damals, die zu früh endeten, weil alle dachten, es käme noch genug. Die Vorstellung, dass später eine Ewigkeit sei, die man verteilen könne wie Spielkarten.
„Rauchst du noch?“, fragte er.
„Selten“, sagte sie. „Manchmal ist selten oft genug.“
„Heute?“
„Kommt auf die Gesellschaft an.“
Er hob minimal das Kinn. „Komm.“
Sie gingen an der Theke vorbei, am Stammtisch, an dem der eine immer noch saß, der schon damals dort saß. An der Garderobe hingen Jacken, die müde wirkten. Julius hielt die Tür auf, die Glocke klingelte, als hätte sie die Schulstunde eingeläutet. Draußen war die Luft klarer, die Straße schmal, die Häuser kannten einander.
Unter dem Vordach stand ein Aschenbecher, der schon viel gesehen hatte. Julius hielt ein Feuerzeug hin. Es war eine langsame Geste, als wolle er nicht die Flamme, sondern die Gelegenheit festhalten. Elisa beugte sich vor, sog ein, und der erste Zug schmeckte nach einem früheren Leben, das sich nicht fremd anfühlte.
„Man sagt, man müsse irgendwann froh sein, wenn nichts mehr kippt“, sagte er, als spräche er für beide.
„Und?“ fragte sie.
„Ich bin nicht sicher, ob das stimmt.“
„Ich auch nicht.“
Der Abend drehte leiser. Eine Katze tauchte auf, ging an ihnen vorbei, als gehörten sie zum Inventar. Die Musik im Wirtshaus war hinter der Tür kleiner, aber da. Die Kälte war keine Härte, eher eine Erinnerung daran, dass man atmete.
„Ich bin an dem Feld vorbeigefahren“, sagte er nach einer Weile. „Dem mit den Birken. Da, wo du mal meintest, im Juli stehe das Getreide wie eine Menschenmenge, die auf etwas wartet.“
„Das habe ich gesagt?“
„Du hast viel gesagt“, antwortete er. „Ich habe mehr behalten, als ich dachte.“
Sie sah ihn an, und etwas in ihr stellte sich auf vorhandenes Licht ein. Es war nicht die Nostalgie, die zog, sondern die Gegenwart, die sich zu seiner geschmeidigen Form bekannte.
„Bist du zufrieden?“, fragte er.
Es war eine zu große Frage für den kleinen Raum zwischen ihnen, und vielleicht war genau das richtig. Elisa wog ihre Antwort nicht. „Ich kann gut mit mir sein. Nicht jeden Tag, aber oft. Und du?“
„Ich kann gut mit den Dingen sein“, sagte er. „Mit mir arbeite ich.“
Sie lachten beide kurz, weil sie verstanden, dass dies kein Witz war.
Die Zigarette neigte sich dem Ende zu. Ihre Finger rochen nach Rauch und Metall. Julius sah ihr beim Ausdrücken zu, als wäre das ein Zeichen, das nur er lesen konnte.
„Du schaust noch so“, sagte er.
„Wie?“
„Wie jemand, der sich entschließt“, sagte er, ohne das Wort zu schmücken.
Sie hielt seinem Blick stand. Es war kein Spiel. Es war ein Angebot, das niemand ausgesprochen hatte und das doch auf dem Tisch lag, seit er „Elisa?“ gesagt hatte.
Julius trat einen halben Schritt näher, die Bewegung präzise, als messe er den Raum zwischen ihren Körpern mit dem Puls in seinen Adern. Seine Hand hob sich, verharrte einen Herzschlag lang in der kühlen Luft, dann glitt sein Daumen entlang der empfindlichen Linie unter ihrem Ohr, eine Berührung, die Wärme entfachte, wo Haut auf Haut traf – genau, fordernd, ohne Nachgiebigkeit. Ihr Atem stockte minimal, synchron mit dem seinen, als die Temperatur seiner Finger sich in ihre Wange fraß, eine Spannung aufbauend, die in den Muskeln ihrer Schultern vibrierte. Die Nachtluft strich über ihre erhitzte Haut, ein Kontrast, der die Berührung intensivierte; seine Fingerkuppe zeichnete die Kontur ihres Kiefers nach, langsam, als kartiere er bekanntes Terrain neu, und sie spürte, wie ihr Puls unter seiner Berührung schneller wurde, ein Rhythmus, der sich in ihrer Brust ausbreitete.

Sie hatte Zeit zu sagen: Nein. Sie tat es nicht. Stattdessen verlagerte sie ihr Gewicht, stellte die Füße fester auf den Boden, ihr Körper eine klare Linie der Zustimmung, die Hüften leicht vorgeneigt. Er las es in der Anspannung ihrer Haltung, trat ein, sein Mund fand ihren mit der Sicherheit eines Schlüssels, der ins Schloss gleitet – tief, eindringend, Zunge gegen Zunge in einem Rhythmus, der den Puls in ihren Adern beschleunigte, feucht und warm, ein Eintreten, das ihre Lippen teilte und die Kontrolle an ihn übergab, ohne sie zu brechen. Seine Zunge erkundete ihre, kreiste, zog sich zurück, nur um wieder vorzustoßen, ein Tanz, der ihre Zähne streifte, ihren Gaumen, und sie antwortete mit gleicher Präzision, ihre Zähne nippten an seiner Unterlippe, zogen leicht, bis ein leises Knurren in seiner Kehle vibrierte. Ihre Hände fanden seine Schultern, Finger gruben sich in den Stoff seines Hemds, spürten die Wärme seiner Haut darunter, die Muskeln, die sich unter ihrer Berührung anspannten. Der Kuss vertiefte sich, Atem vermischte sich, heiß und feucht, ihre Brüste pressten sich gegen seine Brust, Nippel hart durch den Stoff, reibend bei jeder Bewegung, eine Reibung, die Funken in ihren Unterleib sandte.

Ein Stimmenfetzen drang von drinnen, jemand nannte einen Namen. Nicht ihren. Der Moment hielt. Julius’ Stirn berührte ihre, ein kurzer Druck, ein Versprechen an die geöffnete Tür, dass sie die Welt gleich wieder hereinließen.
„Komm rein“, sagte er – und er meinte nicht den Gastraum.
Sie gingen durch die kleine Seitentür bei der Garderobe, die man nur benutzt, wenn man weiß, dass es sie gibt. Ein schmaler Flur, Fliesen, die im direkten Licht keine Fehler verbargen. Eine Tür mit einem Schild, das freundlich um Sauberkeit bat. Julius legte die Hand an den Drücker, hielt inne, sah sie an. Nicht, um Sicherheit zu holen – um Wahrheit zu holen. Elisa nickte.
Die Tür ging auf, die Luft roch nach Zitrone und Abend. Drinnen war es heller als draußen, ein Spiegel, ein Waschbecken, eine Kabine mit einem Riegel, der verlässlich aussah. Julius drehte von innen zu. Das Klicken war ein nüchternes Geräusch, das aufräumte.
Er stand nicht unmittelbar vor ihr, ließ einen Schritt Abstand, als würde er die Luft zwischen ihnen atmen lassen, bevor er sie verdichtete. Dann schloss er die Distanz, seine Hände legten sich an ihre Taille, Finger spreizten sich über den Stoff, drückten mit ruhiger Kraft, hoben sie leicht, bis ihr Rücken das kühle Porzellan berührte – ein Rhythmus, der in seinen Handgelenken pulsierte, langsam, kontrolliert, ihre Brüste hoben sich mit jedem Atemzug gegen seine Brust. Seine Daumen strichen über ihre Rippen, aufwärts, bis sie den Ansatz ihrer Brüste umfassten, durch den Stoff knetend, Daumenkreise um ihre harten Nippel ziehend, eine Berührung, die sie aufkeuchen ließ, leise, aber hörbar in der Stille des Raums. Sie spürte seine Härte gegen ihren Bauch pressen, hart und fordernd, ein Gewicht, das sie instinktiv mit den Hüften erwiderte, kreisend, reibend, bis der Stoff zwischen ihnen feucht wurde von ihrer Erregung.

Sie setzte sich auf den Beckenrand, das Porzellan hart und kühl gegen ihre Wirbelsäule, ein Kontrast zur Hitze, die in ihr aufstieg. Julius trat zwischen ihre Schenkel, nah genug, dass sein Atem ihren Hals streifte, warm und gleichmäßig. Sein Kuss war tief, Zunge forschend, Gewicht verlagert, bis sie seine Härte durch den Stoff spürte; ihre Finger gruben sich in sein Hemd, zogen es auf, Haut auf Haut, Nägel über seine Brust, ein Takt, der ihre Hüften kreisen ließ, feucht und drängend. Sie öffnete die Knöpfe seines Hemds eines nach dem anderen, langsam, präzise, enthüllte die Linie seiner Brust, die feinen Härchen, die unter ihren Fingern kitzelten, ihre Nägel hinterließen rote Spuren auf seiner Haut, leicht, aber spürbar, ein Markieren, das ihn tiefer atmen ließ. Seine Hände glitten unter ihren Pullover, schoben ihn hoch, Daumen strichen über ihre Brüste, umfassten sie voll, kneteten mit der gleichen ruhigen Kraft, Finger zwickten ihre Nippel, rollten sie zwischen Daumen und Zeigefinger, bis sie sich aufbäumte, ein leiser Laut entwich ihrer Kehle, gedämpft gegen seinen Mund. Er zog den Pullover über ihren Kopf, warf ihn beiseite, seine Lippen wanderten ihren Hals hinab, saugten an der Pulsstelle unter ihrem Ohr, Zähne knabberten leicht, dann tiefer, zu ihrem Schlüsselbein, während seine Hände ihren BH öffneten, ihn abstreiften, ihre Brüste freigaben, kühl die Luft, dann warm sein Mund, Zunge umkreisend einen Nippel, saugend, beißend sanft, bis sie ihre Finger in sein Haar grub, ihn näher zog.

„Sag mir“, hob er an.
„Ich sage dir“, schnitt sie ihm ab. Ihre Stimme war nicht laut, aber sie trug.
Zeit wurde geräuschlos. Es gab nur Sequenzen: sein Profil im Spiegel, ihr Blick, der sich selbst im Glas begegnete; der Riegel in der Tür, klein und entschieden; die Art, wie sich sein Atem veränderte, wenn sie die Richtung wechselte. Ein leises Summen der Lampe füllte die Lücken, die keine waren.
Als seine Hände unter ihren Rock glitten, Finger entlang der Innenseiten ihrer Schenkel, ließ sie sie gewähren, spreizte die Beine weiter, eine Entscheidung, die in ihrem Kern pochte. Sie zog ihn heran, spürte seine Erektion hart gegen ihren Unterleib pressen, und übertrat die Schwelle, indem sie seinen Gürtel löste, Hand umfasste ihn, streichelte mit präziser Reibung, bis ein tiefer Atemzug aus ihm entwich. Ihre Finger schlossen sich um seine Länge, hart und pulsierend, Haut glatt und warm, sie bewegte die Hand auf und ab, langsam zuerst, Daumen über die Eichel kreisend, verteilte die erste Feuchtigkeit, spürte, wie er in ihrer Hand wuchs, dicker wurde, sein Atem wurde rau, Hüften stießen leicht vor, ein Rhythmus, den sie diktierte, dann übernahm er, seine Finger schoben ihren Slip beiseite, tauchten in ihre Feuchtigkeit, ein Finger glitt hinein, dann zwei, dehnten sie, kreisten um ihren Kitzler mit dem Daumen, präzise, unerbittlich, bis ihre Wände sich um seine Finger zusammenzogen, feucht und heiß, sie hob die Hüften, ritt seine Hand, Nägel in seinen Armen, ein leises Stöhnen, das im Raum widerhallte.

Er antwortete mit tieferem Eindringen, Finger tauchten in ihre Feuchtigkeit, kreisten mit ruhiger Präzision um ihren Kitzler, dann glitten zwei in sie hinein, ein Gewicht, das sie ausfüllte, sie freisetzte in Wellen der Spannung; sie gab einen kurzen, scharfen Laut von sich, Hüften hoben sich ihm entgegen, ein Ton der Kapitulation und des Kommandos zugleich, während draußen eine ferne Tür zuschlug. Er krümmte die Finger in ihr, traf den Punkt, der Sterne hinter ihren Lidern explodieren ließ, pumpte langsam, dann schneller, sein Daumen auf ihrem Kitzler, kreisend, drückend, bis sie zitterte, ihre Hand um seinen Schaft schneller wurde, reibend, drückend, bis Tropfen aus ihm quollen, glitschig unter ihren Fingern. Sie zog ihn näher, Beine um seine Hüften, führte ihn an ihren Eingang, spürte die Spitze, heiß und hart, gegen ihre Öffnung pressen, ein Moment der Stille, Blicke verschlossen, dann nickte sie, minimal, und er stieß zu, langsam, Zentimeter für Zentimeter, dehnte sie, füllte sie aus, bis er ganz in ihr war, ihre Wände umklammerten ihn, pulsierend, feucht, ein perfekter Sitz.

Sie sagten keine großen Sätze. Sie machten keine Versprechen. Sie verhandelten nichts. Eine Hand an einer Hüfte, ein Atem, der dunkler wurde, ein Blick, der hielt, wenn die Bewegung wechselte. Julius redete wenig, und wenn, dann nicht, um zu führen, sondern um zu bestätigen, dass er genau hier war.
Der Moment, an dem es kippt, war unspektakulär und unumkehrbar. Sie ließ ihn in sich gleiten, Schenkel um seine Hüften geschlungen, er stieß tief, mit der Kontrolle eines Mannes, der den Rhythmus diktiert – langsam zuerst, dann fordernd, Haut klatschend gegen Haut, Schweiß perlend, ihr Inneres umklammerte ihn in pulsierenden Kontraktionen, ein Auftrag, den er ausführte mit der Präzision eines Atemzugs, der den Höhepunkt herbeiführte. Er zog sich zurück, fast ganz, dann stieß er wieder zu, tief, hart, ein Takt, der in ihren Knochen vibrierte, ihre Brüste wippten bei jedem Stoß, seine Hände umfassten sie, kneteten, Daumen über Nippel, sie bog den Rücken, traf ihn Stoß für Stoß, Hüften kreisend, reibend ihren Kitzler gegen seinen Schambein, Funken, die sich aufbauten, Schweiß rann zwischen ihren Körpern, salzig auf der Zunge, als sie seinen Hals leckte, biss leicht in seine Schulter, um den Schrei zu dämpfen. Er variierte den Winkel, traf tiefer, schneller, seine Hand glitt zwischen sie, Daumen auf ihrem Kitzler, kreisend im Takt seiner Stöße, bis sie spürte, wie der Höhepunkt nahte, Wellen, die von ihrem Kern ausstrahlten, ihre Muskeln spannten sich, umklammerten ihn fester, melkten ihn, und er stöhnte leise, tief, Hüften stießen unkontrolliert, dann kam er, pulsierend in ihr, heiße Schübe, die sie über die Kante trieben, ihr Orgasmus Wellen um Wellen, Kontraktionen, die ihn festhielten, milchten, bis sie beide zitterten, Atem keuchend, Körper verschmolzen in der Nachwelle.

Er blieb in ihr, bewegte sich langsam weiter, verlängerte die Empfindungen, sanfte Stöße, die die Empfindlichkeit steigerten, ihre Hände strichen über seinen Rücken, spürten die Schweißperlen, die Muskeln, die sich entspannten, sein Mund fand ihren wieder, Kuss weich nun, Zunge träge, ein Nachhall. Draußen ein fernes Lachen, hier nur ihr Keuchen, Gewicht verlagert, Blicke verschmolzen, Schweiß auf Haut, ein Rhythmus, der allmählich abebbte, bis er sich herauszog, langsam, ihre Leere spürbar, feucht und warm, Flüssigkeit rann ihre Schenkel hinab. Er hielt sie fest, Stirn an Stirn, Atem synchronisierend, Finger strichen über ihre Wange, eine Geste der Zärtlichkeit inmitten der Intensität.

Dann war es still – nicht in der Welt, aber in ihnen. Ein Ausatmen, das länger dauerte als nötig. Elisa spürte, wie die Kälte des Porzellans wieder relevant wurde, wie der Spiegel wieder Dinge zeigte, die sich nicht erklären mussten. Julius legte die Stirn an ihre Schulter, kurz, dankbar, als bedanke er sich bei einer Tatsache. Sie strich ihm mit dem Daumen den Ansatz einer Falte aus dem Hemd, das keine Erklärung verlangte.
Sie wuschen sich die Hände. Sie taten es nicht heimlich. Wasser über Haut, Seife, der Duft, der zu sauber war für das, was eben gewesen war, und es doch genau deswegen markierte. Julius schob den Riegel mit der gleichen ruhigen Bewegung zurück, mit der er ihn geschlossen hatte. Er sah sie an. Kein Text. Ein Blick, der sagte: So.
Im Flur war es kühler. Sie traten nebeneinander hinaus, als kämen sie von einer kurzen, sehr praktischen Besprechung. Niemand stand im Gang. Die Glocke an der Eingangstür klingelte, als hätte jemand das Wirtshaus verlassen; vielleicht hatte es die Zeit.
„Noch einmal?“ fragte er halblaut, und er meinte nicht die Handlung, sondern die Luft.
„Draußen“, sagte sie.
Sie gingen vor die Tür. Die Nacht war tiefer geworden, und trotzdem klar. Elisa nahm keine Zigarette mehr. Julius auch nicht. Sie standen einen Moment, als würde der Ort ihre Körper wieder ausrichten.
„Bist du okay?“, fragte er.
„Ja“, sagte sie. „Ich bin da.“
Er nickte. „Gut.“
Sie lachten beide leise über die Einfachheit ihres Dialogs. Und weil er genau richtig war.
Im Gastraum drinnen verschob sich die Musik zu etwas Beschwingtem. Menschen verteilten sich, bezahlten, zogen Jacken an. Die Wirtin brachte noch ein Glas an den Stammtisch, ohne hinzusehen. Das Leuchtschild brummte.
„Ich fahre morgen früh“, sagte Julius. „Termin in der Stadt. Ich könnte…“ Er brach nicht ab; er ließ den Satz stehen.
„Ich weiß“, sagte Elisa. „Ich auch.“
„Auch fahren?“
„Auch nicht sagen, was man denkt.“
„Das kann man lernen“, meinte er.
„Oder lassen.“
Er zog das Handy aus der Tasche, drehte es um, als würde er den Bildschirm bitten, sich nicht einzumischen. „Darf ich?“
Sie reichte ihm ihre Handfläche, und er legte das Telefon hinein, als legte er etwas zurück, das ihm nicht gehörte. Sie tippte ihre Nummer, nur Ziffern, speicherte ohne Namen. Sie mochte es, Dinge nicht zu früh zu definieren. Sie setzte einen Punkt dahinter. Ein Satzzeichen, das nicht flehte – es stellte fest.
„Schick mir kein Foto vom Konferenztisch“, sagte sie.
„Dann vom Feld“, erwiderte er. „Oder keins.“
„Oder keins“, bestätigte sie.
Sie gingen noch einmal hinein, um die Welt zu beurkunden. Elisa holte ihre Jacke, sagte kurze Sätze zu Menschen, die sie mochte, ohne sie heute wirklich in sich aufzunehmen. Julius nickte, bezahlte seine Rechnung, bedankte sich bei der Wirtin, die ihn ansah, als wisse sie mehr, als gut wäre, und es für sich behielte. An der Tür blieben sie nicht stehen. Draußen teilten sich ihre Wege von selbst, wie Linien, die sich nicht bemühen müssen, um später wieder zu kreuzen.
„Elisa“, sagte er, und sein Name für sie war diesmal ein Gruß.
„Julius“, antwortete sie, und ihrer klang wie ein Versprechen ohne Vertrag.
Er ging nach rechts, sie nach links. Die Nacht hielt sich nicht an Symbolik. Ein Auto fuhr vorbei, langsam. Eine Lampe summte. Das Wirtshaus atmete aus, als die Glocke noch einmal klang.
Zu Hause stellte Elisa die Schuhe ordentlich nebeneinander, eine instinktive Ordnung, die nichts verbarg. Sie ließ die Jacke über einer Stuhllehne, drehte das Wasser aus dem Hahn in der Küche, trank einen Schluck, ließ den Rest stehen. Die Wohnung roch neutral, sie mochte das. Sie setzte sich auf die Bettkante, nicht, um zu überlegen, sondern um den Körper wieder bei sich willkommen zu heißen. In der Stille war die Erinnerung an den Riegel, das Klicken, an das Summen der Lampe deutlicher als die Musik im Wirtshaus.
Ihr Telefon vibrierte. Eine Nachricht. Kein Bild. Kein Satz. Nur ein Punkt.
Sie legte das Telefon beiseite. Nicht, weil sie nichts zu sagen hatte. Sondern weil heute schon alles gesagt worden war, was gesagt werden musste. Sie löschte das Licht, ließ die Dunkelheit ruhiger werden als die Nacht, und atmete. Sie dachte nicht an früher. Sie dachte an heute. An Holz, an Zitrone, an den Abstand zwischen Hand und Haut, der kurz eine ganze Welt war.
Und irgendwo, in einem anderen Zimmer, stand Julius vielleicht am Fenster, ohne das Licht einzuschalten. Vielleicht sah er auf eine Straße, die keine Geschichten verlangte. Vielleicht nur in das eigene Spiegelbild, das gnädiger war als vor Jahren. Vielleicht schrieb er kein Wort. Vielleicht atmete er nur und wusste: Man kann viel verpassen, mit Fleiß und mit Zufall. Manchmal passt eine Nacht auf die Größe zweier Menschen. Wenn sie passt, muss man sie nicht erklären.
Es war spät genug.

von Clara, Erovelle Team

Clara schreibt für Erovelle über die leisen Kollisionen zwischen Nähe und Erinnerung – über das, was bleibt, wenn zwei Menschen sich wiederfinden, lange nachdem sie einander losgelassen haben. In dieser Geschichte erforscht sie, wie Begehren entsteht, wenn Worte versiegen und nur der Atem spricht.

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